Die regenerative Medizin will geschädigtes Gewebe mithilfe von Zellen, Wachstumsfaktoren und Biomaterialien wiederherstellen – auch mit körpereigenen Substanzen des Patienten. Die Augenheilkunde gehört zu den am intensivsten erforschten Gebieten: Einige Verfahren werden bereits in der Praxis eingesetzt, andere werden noch in klinischen Studien untersucht.
Die Netzhaut
Die Netzhaut ist der wichtigste Teil des Sehorgans: Sie wandelt Lichtsignale in Nervenimpulse um, die über den Sehnerv ins Gehirn gelangen und dort Seheindrücke erzeugen.
Histologisch besteht die Netzhaut aus einer Kette von drei Neuronen – dem äußeren (Photorezeptoren), mittleren (Bipolarzellen) und inneren (Ganglienzellen) –, die 10 Schichten bilden. Wie das Gehirn regeneriert sich das Nervengewebe der Netzhaut nur sehr schlecht; deshalb sind Erkrankungen von Netzhaut und Sehnerv so schwer zu behandeln.
Wo regenerative Verfahren bereits eingesetzt werden
- Wiederherstellung der Hornhaut. Bei limbaler Stammzellinsuffizienz (z. B. nach Verätzung des Auges) ist in Europa ein Präparat aus eigenen, im Labor gezüchteten Stammzellen des Patienten zugelassen.
- Eigenserum- und PRP-Augentropfen (plättchenreiches Plasma) – bei schwerem trockenem Auge und schlecht heilenden Hornhautdefekten.
- Amnionmembran – zur Heilung von Schäden der Augenoberfläche.
Was in klinischen Studien untersucht wird
Der Einsatz von Stammzellen und Wachstumsfaktoren bei Erkrankungen der Netzhaut und des Sehnervs ist bislang experimentell. Geforscht wird bei:
- altersbedingter Makuladegeneration (u. a. Transplantation von Zellen des retinalen Pigmentepithels);
- Retinitis pigmentosa und anderen erblichen Netzhautdystrophien (für eine Form gibt es bereits eine zugelassene Gentherapie);
- diabetischer Retinopathie;
- Sehnervatrophie und Sehnerventzündung, auch bei Multipler Sklerose;
- Folgen von Verletzungen des Augapfels und des Sehnervs.
Die ersten Ergebnisse sind ermutigend, für eine breite Anwendung reichen die Wirksamkeitsnachweise aber noch nicht aus. Standard bleiben bei vielen dieser Erkrankungen bewährte Verfahren: Anti-VEGF-Injektionen bei feuchter Makuladegeneration und diabetischem Makulaödem, Laserbehandlung und Operation.
Wichtig: In manchen Ländern bieten Kliniken „Stammzellbehandlungen“ ohne wissenschaftliche Grundlage an; solche Eingriffe haben bereits zu schweren Komplikationen bis hin zur Erblindung geführt. Regenerative Verfahren sollten deshalb nur in zertifizierten Universitätszentren oder im Rahmen offizieller klinischer Studien erwogen werden. Wir vermitteln eine Beratung bei führenden Augenärzten in Deutschland, um zu prüfen, ob für Sie Standard- oder Studienverfahren infrage kommen.