Ein Prostataadenom betrifft fast 20 % der Männer über 50 und mehr als 80 % der Männer über 65 Jahre. Um die Erkrankung und ihre Mechanismen zu verstehen, lohnt sich zunächst ein kurzer Blick auf die Anatomie.
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein Organ des männlichen Fortpflanzungssystems und bildet ein Sekret, das Teil der Samenflüssigkeit ist. Sie beeinflusst also direkt die Sexual- und Fortpflanzungsfunktion. Da die Prostata direkt unter der Harnblase liegt und den Blasenhals sowie den Anfang der Harnröhre umschließt, wirken sich ihre Erkrankungen häufig auf das Wasserlassen aus.
Prostataadenom – was ist das?
Das Prostataadenom (benigne Prostatahyperplasie, BPH; gutartige Prostatavergrößerung) ist eine gutartige Wucherung des Prostatagewebes. Es ist kein Krebs und wird auch nicht zu Krebs, kann aber die Harnröhre einengen. In frühen Stadien verursacht es keine Beschwerden und wird oft nur vom Facharzt erkannt. Spätere Stadien führen zu erheblichen Beschwerden, können Blase und Nieren schädigen und erschweren die Behandlung.
Symptome eines Prostataadenoms
Nicht jede Prostatavergrößerung verursacht Beschwerden. Die Vergrößerung selbst ist nicht schmerzhaft und erfordert keine sofortige Operation, kann aber mit der Zeit die Blasenentleerung verschlechtern und zu Komplikationen führen. Bei folgenden Anzeichen sollten Sie einen Urologen aufsuchen:
- abgeschwächter Harnstrahl;
- verzögerter Beginn des Wasserlassens;
- verlängerte Dauer des Wasserlassens;
- häufiges Wasserlassen, auch nachts;
- Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnverlust bei übervoller Blase);
- starkes Pressen mit der Bauchmuskulatur beim Wasserlassen;
- Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung (Restharn);
- akuter Harnverhalt – Wasserlassen trotz Harndrang nicht möglich;
- Flankenschmerzen als Zeichen eines Harnstaus in den Nieren (im Spätstadium).
Schreitet die Erkrankung fort, sammelt sich Restharn in der Blase: Der Patient kann sie nicht vollständig entleeren. Es entsteht ein ständiges Völlegefühl mit häufigem Harndrang. Dadurch können Harnwegsinfekte und Blasensteine auftreten – mit Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber, Schüttelfrost und manchmal Blut im Urin.
Im fortgeschrittenen Stadium staut sich der Urin bis in die Nieren zurück, was zu Nierenversagen führen kann. Manchmal verschließt die vergrößerte Prostata die Harnröhre vollständig – es kommt zu einem akuten Harnverhalt mit schmerzhafter Überdehnung der Blase, der sofort behandelt werden muss.
Trotz typischer Beschwerden wird eine Behandlung in Deutschland erst nach gründlicher Untersuchung und gesicherter Diagnose begonnen.
Ursachen eines Prostataadenoms
Die Ursachen der gutartigen Prostatavergrößerung sind nicht abschließend geklärt. Als Hauptfaktor gelten altersbedingte Veränderungen der männlichen Sexualhormone.
Eine wichtige Rolle spielt Dihydrotestosteron (DHT), das im Prostatagewebe mithilfe des Enzyms 5-Alpha-Reduktase aus Testosteron entsteht. Eine hohe DHT-Konzentration regt das Wachstum von Drüsen-, Binde- und Muskelgewebe der Prostata an. Genau hier setzen einige Medikamente gegen das Adenom an.
Möglicherweise trägt auch das veränderte Verhältnis von Östrogen und Testosteron bei: Mit dem Alter sinkt der Testosteronspiegel, während der Östrogenspiegel gleich bleibt. Das Übergewicht der Östrogene verlangsamt den natürlichen Zelltod in der Prostata. Diskutiert wird zudem der Einfluss des Stoffwechsels – Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel.
Diagnostik
- Gespräch mit dem Urologen und Symptomfragebogen IPSS;
- digital-rektale Untersuchung;
- Ultraschall der Prostata (auch transrektal) und Messung des Restharns;
- Uroflowmetrie – Messung des Harnstrahls;
- Urinuntersuchung, Kreatinin und PSA-Wert im Blut, um Prostatakrebs auszuschließen;
- bei Krebsverdacht MRT der Prostata und gezielte Biopsie.
Behandlung des Prostataadenoms in Deutschland
Die Behandlung richtet sich nach Stärke der Beschwerden, Größe der Prostata, Komplikationen und den Wünschen des Patienten – etwa dem Erhalt der Ejakulation.
- Kontrolliertes Abwarten — bei leichten Beschwerden genügen regelmäßige Kontrollen und Änderungen des Lebensstils (abends weniger trinken, weniger Koffein und Alkohol).
- Medikamente — Alphablocker (z. B. Tamsulosin) erleichtern rasch das Wasserlassen; 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (Finasterid, Dutasterid) verkleinern die Prostata über einige Monate; außerdem werden PDE-5-Hemmer und Kombinationen eingesetzt.
- Transurethrale Resektion der Prostata (TURP) — die klassische Operation durch die Harnröhre, ohne Schnitt.
- Laserenukleation (HoLEP, ThuLEP) — Entfernung des vergrößerten Gewebes mit dem Laser; auch für sehr große Prostatae geeignet, mit geringem Blutverlust.
- Schonende Verfahren — Aquablation (Gewebeabtragung mit Wasserstrahl), UroLift-Implantate, Rezūm-Wasserdampftherapie, Prostataarterienembolisation. Viele davon erhalten die Ejakulation.
- Offene oder roboterassistierte Adenomenukleation — bei sehr großer Prostata, wenn endoskopische Verfahren nicht möglich sind.
Unabhängig von der Ursache wird die Behandlung erst nach gründlicher Diagnostik begonnen. Deutsche urologische Kliniken, darunter die Klinik in Landshut, beherrschen das gesamte Spektrum der Verfahren und wählen sie individuell aus.